Nachruf Max Schellenbacher sen.

Der österreichische Rudersport hat einen großen Verlust erlitten. Der Rudersport trauert mit der Familie Schellenbacher über das Ableben von Max Schellenbacher, welcher mit 93 Jahren verstarb.

Mit Max Schellenbacher sen. verließ uns ein innovativer Geist der entscheidend an der Entwicklung des Bootbaues und des Bootsmaterials beigetragen hat, deren Bedeutung über Österreich hinausgeht. Max hatte noch das 95. Bestandsjubiläum der Bootswerft erlebt.

Als ich in den 6oer Jahren bei einem Start im Totoachter Rennen Wien-Linz, natürlich in einem Schellenbacher Achter, Max kennenlernte, hatte die Bootswerft, gegründet 1931 vom Vater Max Heinrich, bereits einen ausgezeichneten Namen im Rennbootbau.

Max war ein „Tüftler“, immer mit neuen Ideen wie ein Bootskörper verbessert, die Boote schneller gemacht werden können, beschäftigt. Ein Besuch in der Werft artete fast immer in ein Kolloquium über Bootsbau aus.

Es gab damals keine andere Bootswerft wo man ein Boot, für eine bestimmte Mannschaften in Auftrag geben konnte.

Auch Irrwege brachten Max nicht davon ab neue Ideen umzusetzen. Der „Bananenaufriss“ wird vielen ehemaligen Rennruderern noch ein Begriff sein.

Max führte die Werft als Familienbetrieb mit engem Kontakt zu den Bestellern. Die Werft war und ist voll ausgelastet und man konnte zwar nach dem Monat der Lieferung nicht aber nach dem Jahr fragen, ein „Running Gag“ bei den Bestellern. Max ging es eben immer um Qualität nicht um Quantität.

Bekannte Namen des Rudersports setzten auf einen „Schellenbacher“ und gewannen Medaillen:

Sageder/Kloimstein, Eva und Renate Sika, Losert/Ebner, Rabeder, Fink, Buchinger/Krausbar und viele mehr.

Ab den 60er Jahren begann Max mit Glasfaser verstärkten Kunststoff zu experimentieren, was schlussendlich zu den hochkomplexen Carbon- Kevlar – Nomex Waben Booten führte.

Max war seit 1949, als er in die Werft seines Vaters Max Heinrich eintrat, bis 2020, also mehr als 70 Jahre tätig, hat sich als Autodidakt ein ungeheures Wissen erarbeitet und dieses an seinen Sohn weitergegeben.

Einen besonderen Ruf hat sich aber Max im Bereich der Wander- und Tourenboote erworben. Er hat das Wanderruderboot entscheidend weiterentwickelt und neue Bootsklassen, den Fünfer, den Sechser kreiert. Es ist einfach ein Vergnügen diese Boote zu fahren und bei jeder Sternfahrt sind seine Boote der Hit.

Bis in die entferntesten deutschen Rudervereine liefert die Bootswerft ganze Hänger Ladungen mit Wanderruderbooten. Egal, wo man auf Wanderfahrten hinkommt, überall begegnen einem die „Schellenbacher“.

Max hat mich mein ganzes Ruderleben begleitet und war mir Freund und Helfer. In schweren Zeiten des ÖRV, als Rettung in der Not gefragt war, hat Max selbstlos und unentgeltlich Boote für unsere Nationalkader zur Verfügung gestellt. Über Jahre war er einer der besten Sponsoren des Ruderverbandes.

Max wurde daher vom ÖRV zum Träger der Goldenen Ehrennadel für Verdienste um den Rudersport ernannt.

Mich erfüllt ungeheure Dankbarkeit im Gedenken an unsere Freundschaft. 

Max Schellenbacher sen. wird in unseren Gedanken aber auch in seinen Booten, welche in fast allen österreichischen Rudervereinen liegen, präsent bleiben.

Max wird uns sehr abgehen, aber in seinem Sohn, dem ich alles Gute wünsche, lebt er und seine Innovationen weiter.

Leb wohl Max.

Helmar Hasenöhrl